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Erprobungsstufe

Die Erprobungsstufe am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium

Allgemeine Informationen und Grundsätze
Die Erprobungsstufe umfasst die Jahrgangstufen 5 und 6. Sie gilt als pädagogische Einheit, daher findet der Übergang von der 5. in die 6. Klasse ohne Versetzung statt.
Diese Zeit gilt als Möglichkeit der "Erprobung, Förderung und Beobachtung der Schülerinnen und Schüler" - so heißt es in §13 des Schulgesetzes NRW.
 
Der Wechsel zur weiterführenden Schule bedeutet eine besondere Veränderung, der wir am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium große pädagogische Bedeutung beimessen.
Die Schülerinnen und Schüler müssen sich in einem ungewohnten Umfeld zurechtfinden: Sie sind nun die "Kleinen", müssen sich an eine größere Schulgemeinschaft gewöhnen, lernen das Fachlehrersystem kennen, müssen sich auf verschiedene Fächer, Fachräume und unterschiedliche Lehrpersonen einstellen - im Vergleich zum Unterricht an der bisherigen Grundschule scheint jetzt alles neu zu sein.
 
Auch das "Lernen" ist nun ganz ungewohnt Inhalt des Lernens - wenngleich wir an die Grundschularbeit anknüpfen und uns bei allen methodischen Schritten sehr darum bemühen, die Schülerinnen und Schüler dort zu erreichen, wo sie sind:
Wir wollen sie fordern und fördern, sich auf eine neue Selbstständigkeit im Umgang mit Lerninhalten und Lernwegen einzulassen, ohne sie jedoch zu überfordern. Es geht also nicht lediglich um das Begreifen und Behalten von Lerninhalten allein, sondern auch um die Reflexion der Methoden eines erfolgreichen, selbst bestimmten Lernens, das auf Selbstständigkeit, Kritikfähigkeit und soziale Kompetenz ausgerichtet ist.
 
Wir wünschen uns daher Schülerinnen und Schüler in der Erprobungsstufe, die neugierig sind, die aus eigenem Interesse und Antrieb fragen und Problemstellungen auf den Grund gehen wollen, die Freude daran haben, sich in Eigenregie Informationen zu beschaffen, die sich eben nicht mit der Reproduktion von Vorgegebenem zufrieden geben.
 
Damit wird ein entscheidendes Ziel unserer Erprobungsstufenarbeit deutlich: Die wachsende Selbstorganisation der Lernenden ist der tragende Leitgedanke. Nur so kann schließlich Verantwortung für das eigene Leben übernommen werden. Dieses Lernverhalten kann nicht gelingen ohne eine kontinuierliche Lernbereitschaft - eine regelmäßige und disziplinierte Mitarbeit, Ausdauer und die Fähigkeit, Frustration zu verarbeiten, Konzentrationsfähigkeit und gewissenhafte Erledigung von (Haus-)Aufgaben.
 
Für dieses Lernverhalten braucht man Selbstvertrauen: Es gehört Mut dazu, selbstbewusst aufzutreten, ohne aggressiv zu sein, sich in einer Gruppe durchzusetzen, ohne die Meinung der anderen zu fürchten oder aber sie zu beherrschen, sicher und angstfrei zu agieren und mit Kritik konstruktiv umzugehen.
 
   
Seit Beginn des Schuljahres 1999/2000 führt das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in der
5. und 6. Jahrgangsstufe mit großem Erfolg das „ALF-Programm“ durch.

ALF = Allgemeine Lebenskompetenzen und Fertigkeiten

Entstanden ist dieses pädagogische Curriculum zur Suchtprävention im Rahmen eines Projektes des Bundesministeriums für Forschung und Technologie zur Evaluation der Primärprävention an Schulen. ALF ist das Ergebnis dieses vom IFT Institut für Therapieforschung in München durchgeführten Projektes.
Es handelt sich bei ALF um ein schulisches Lebenskompetenzprogramm, das die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler in ihrem schulischen und außerschulischen Kontext in den Blick nimmt.
Ziel ist die Erziehung zu stabilen Persönlichkeiten, zu Selbständigkeit und Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung.
 
Einen besonderen Stellenwert hat in diesem Zusammenhang die Suchtprophylaxe, denn ALF geht von der Erkenntnis aus, dass eine selbstbewusste, kommunikationsorientierte, sozial verantwortungsbewusste Persönlichkeit keine ausgeprägte seelische Bereitschaft hat, sich Suchtmitteln zuzuwenden, sondern in ihnen die zerstörerische Wirkung erkennt.
 
Die folgende Übersicht über die Unterrichtseinheiten in Klasse 5 bzw. 6 zeigt, dass es nicht primär um die Problemfelder „Alkohol“ und „Nikotin“ geht bzw. um andere Stoffe, die zu Abhängigkeiten führen, sondern dass weit umfassender auf die Fragen und Probleme der Schülerinnen und Schüler in ihrer entscheidend prägenden Phase der Erprobungsstufe eingegangen wird:
 
 
Spezifische Inhalte von ALF in der Jahrgangsstufe 5:
12 Unterrichtseinheiten mit folgenden Themen:
  1. Einführung / Sich kennenlernen
  2. Sich wohl fühlen
  3. Information zum Rauchen
  4. Gruppendruck widerstehen
  5. Kommunikationsfertigkeiten und soziale Kontakte
  6. Gefühle ausdrücken
  7. Selbstsicherheit
  8. Informationen zu Alkohol
  9. Medien und Werbung widerstehen
  10. Entscheidungen treffen / Problemlösung
  11. Verbesserung des Selbstbildes
  12. Zusammenfassung / Freizeitgestaltung
 
 
 
Spezifische Inhalte von ALF in der Jahrgangsstufe 6:
12 Unterrichtseinheiten mit folgenden Themen:
  1. Die Mitschüler/innen kennenlernen
  2. Sich wohlfühlen
  3. Informationen zum Thema Rauchen
  4. Gruppendruck widerstehen
  5. Kommunikationsfertigkeiten und soziale Kontakte
  6. Gefühle ausdrücken
  7. Selbstsicherheit
  8. Informationen zum Thema Alkohol
  9. Medien und Werbung widerstehen
  10. Entscheidungen treffen
  11. Verbesserung des Selbstbildes
  12. Freizeitgestaltung
Damit dies gelingen kann, arbeiten die am DBG in der Erprobungsstufe unterrichtenden Kollegen eng zusammen und sind am Austausch mit den Eltern sehr interessiert. Wir haben einen Eltern-Lehrer-Gesprächskreis gegründet, der bei Bedarf zusammen kommt, auf jeden Fall nach den ersten Schulwochen der Jahrgangsstufe 5. Dieser Kreis hat zum Beispiel die Idee der "Pädagogischen Rundbriefe" entwickelt, von denen der erste bereits vorliegt.
 
Selbstverständlich steht jeder Fachlehrer in seinen Sprechstunden auch kurzfristig zur  Verfügung; die Klassenleitung übernimmt ohnehin eine besonders wichtige Funktion.
 
In mehreren Erprobungsstufenkonferenzen pro Schuljahr werden Möglichkeiten einer individuellen Förderung von Lernfähigkeit und Lernbereitschaft diskutiert. Dabei werden auch immer wieder neue didaktisch-methodische Wege reflektiert.
 
Wichtig ist uns am DBG auch der gute Kontakt zu den Grundschulen, mit denen wir Hand in Hand arbeiten wollen. Unsere Grundschulkolleginnen und Grundschulkollegen können - gerne auch gemeinsam mit interessierten Schülern und Eltern - Unterricht am DBG beobachten, um (z.B. im Rahmen gemeinsamer Dienstbesprechungen) den didaktisch-methodischen Austausch zu vertiefen. Selbstverständlich werden die Kolleginnen und Kollegen der 4. Klassen regelmäßig zu Erprobungsstufenkonferenzen eingeladen, um gemeinsam die Entwicklung ihrer ehemaligen Schülerinnen und Schüler zu besprechen und Strategien der Förderung zu überlegen.
 
 
Der Abschluss der Erprobungsstufe
   
Die Erprobungsstufe dauert in der Regel zwei Jahre; die Klasse 5 kann auf Antrag einmal freiwillig wiederholt werden.
Am Ende der Erprobungsstufe erfolgt in enger Abstimmung zwischen Elternhaus und Schule die Entscheidung, ob der Bildungsgang am DBG fortgesetzt werden kann. Mit der Versetzung in die Klasse 7 erfolgt somit die endgültige Aufnahme der Schülerinnen und Schüler in das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium.